Jörg Benne

Autor für Phantastische Romane und Spielbücher

02
Feb

Abenteuer Self-Publishing – Amazon vs. Tolino

Königsfeuer hat bislang 21 Rezensionen, davon 19x 5 Sterne und 2x 4 Sterne. Ich darf also wohl behaupten, dass es ein ganz gutes Buch ist. Das Cover wird gemeinhin auch gelobt. Nur kaufen tut‘s kaum einer.

Abenteuer Self-Publishing
Teil 1: Warum? Teil 7: Der erste Monat
Teil 2: Erwartungen Teil 8: Gratis-Aktion
Teil 3: Kalkulation Teil 9: Print
Teil 4: Lektorat Teil 10: Preisaktion
Teil 5: Cover Teil 11: Amazon vs. Tolino
Teil 6: Veröffentlichung

Warum? Nun, um es kaufen zu können, muss man es erstmal finden. Und das ist leider für den Kunden gar nicht so einfach.
Zur Verdeutlichung: Als Königsfeuer sich zwischenzeitlich bei Amazon mal 8 Tage lang nicht verkaufte, stand es im Bereich Fantasy auf dem Verkaufsrang 7.979. Das heißt, in den 8 Tagen, haben sich mindestens 8000 eBooks genauso oft oder häufiger verkauft – nur im Bereich Fantasy! – und jeden Tag kommen Dutzende Neuerscheinungen hinzu!

Hilfe ich bin unsichtbar!

Die sozialen Medien bieten viele Möglichkeiten, um mit potentiellen Lesern in Kontakt zu kommen. Damit man eine gewisse Reichweite erreicht (und auch behält) muss man seinen Followern aber auch regelmäßig etwas bieten. Das liegt nicht jedem – mir auch nicht.

Eine weitere Möglichkeit ist, Werbung zu schalten. Hier hat Amazon klar die Nase vorn. Via Amazon Advertising kann man seit einiger Zeit sein eBook bewerben, Tolino bietet eine solche Möglichkeit bislang nicht.

Sicher sind euch bei Amazon-Suchergebnissen oder auf den Produktseiten schon mal die »Gesponsert«-Einträge aufgefallen. Genau die kann man buchen. Dazu sucht man sich entweder Suchphrasen oder Produktkategorien aus, gibt ein Gebot ab, was man pro Klick auf das eigene Cover zahlen möchte und wird dann platziert. Kein einfaches Geschäft, denn die Wahl der Suchbegriffe will gut überlegt sein, sonst zahlt man für viele Klicks, die keine Käufe nach sich ziehen.

Die Königsfeuer-Kampagne bei Amazon Advertising.

Unterstützung bei Preisaktionen

Ein weiteres Mittel, auf das eigene Buch aufmerksam zu machen, sind Preisaktionen. Die Herbst-Preisaktion habe ich noch bei einschlägigen Deals-Seiten (teuer) beworben, die ihre Besucher dann sowohl auf Amazon als auch auf Tolino verwiesen.

Im Januar gab es nun eine weitere, diesmal verkniff ich mir aber jede Art von Werbung. Folge: Bei Amazon merkte keiner, dass das Buch billiger war und es verkaufte sich fast genauso schlecht, wie sonst auch.

Hier ist die Unterstützung bei Tolino klar besser: Zumindest bei Thalia werden Preisaktionen nämlich bei den »Deals der Woche« angezeigt (sofern man sie zuvor beim Support anmeldet) und das bringt einige Verkäufe. Diese Unterstützung ist sehr wertvoll und so liefen beide Königsfeuer-Preisaktionen bei Tolino deutlich besser als bei Amazon.

Der Haken: Die Wirkung der Preisaktionen verrauchte schnell. Nach Ablauf gab es noch ein paar Käufe zum Normalpreis, dann verschwand Königsfeuer wieder in der Versenkung.

Leihen statt kaufen

Kindle Unlimited (KU) bietet Amazon-Kunden die Möglichkeit eine Art Abo abzuschließen und dann beliebig viele eBooks auszuleihen (nicht gleichzeitig, aber nacheinander). Der Autor wird pro gelesene Seite bezahlt. Begeistert sein Buch und wird zuende gelesen, gibt es zwar nicht so viel Geld, wie bei einem Kauf, aber es kommt doch was zusammen. Der Hauptvorteil ist aber: Da die KU-Kunden ja nicht pro Buch bezahlen, sind sie wesentlich experimentierfreudiger als normale Käufer und lesen in viele Bücher rein, die sie vielleicht nie gekauft hätten. Noch dazu sind viele von ihnen Vielleser, sodass man sich so eine interessante Käuferschicht erschließt, die bei Gefallen vielleicht gleich das nächste Buch des Autors lesen möchte.

Der Haken: Wer sein Buch bei Kindle Unlimited anbieten will, muss sich für den Zeitraum von mindestens drei Monaten exklusiv an Amazon binden und darf sein eBook in der Zeit nirgends sonst anbieten.

Tolino hat diesbezüglich Ende des Jahres indirekt nachgezogen. Seitdem kann man sein eBook über Tolino auch bei der Plattform Skoobe anmelden, die ähnlich wie KU funktioniert, allerdings nicht pro Seite, sondern pro Leihvorgang bezahlt. Man erfährt als Autor daher nicht, ob das Buch zuende gelesen wurde. Dafür muss man sich auch nicht exklusiv binden.

Daneben gibt es auch noch tolino Select. Für dieses Programm muss man allerdings ausgewählt werden und die Praxis, dass man erst eine Abrechnung bekommt, wenn man eine gewisse Anzahl Leihen erreicht hat, finde ich sehr intransparent. Ich weiß bis heute nicht, ob und wenn ja wie oft Königsfeuer während der zwei Wochen bei tolino Select ausgeliehen wurde, sondern nur, dass es sich offenbar nicht gelohnt hat.

Amazon, Tolino oder beides?

Beide Plattformen haben Vor- und Nachteile und ein pauschales Urteil zu fällen, ist schwierig, zumal die Reichweite wohl auch von Genre zu Genre unterschiedlich ist. Insgesamt ist Amazon Self-Publisher-freundlicher, und wer Schwierigkeiten wegen mangelnder Sichtbarkeit hat, kann sich hier via Amazon Advertising behelfen – muss dafür aber auch bezahlen. Kindle Unlimited bietet einem gegen Exklusivität die Möglichkeit, zusätzliche Leser zu erreichen. Dabei sollte man sich aber vor Augen halten, dass man durch die Exklusivität die Bildung eines Monopols unterstützt. Wenn Amazon irgendwann einmal die gewünschte Marktmacht hat, könnte es jederzeit entscheiden, seinen Selfie-Autoren eben nur noch 50% statt 70% vom netto zu zahlen.

Wer kein Geld ausgeben, sondern eher auf Preisaktionen setzen will, bekommt bei Tolino mehr Unterstützung, zumindest was die Sichtbarkeit der Preisaktion an sich angeht. Seit Skoobe mit in der Distribution ist, kann man auch hier Leih-Vielleser erreichen. Zu tolino Select kann ich mir noch kein abschließendes Urteil bilden, finde es aber bisher eher halbgar. Vorteil: Es wird keine Exklusivität verlangt.

Worfür entscheidet man sich also? Amazon, Tolino oder beides? Persönlich habe ich mich für einen Mittelweg entschieden: Ich werde (wie z.B. im Moment) Königsfeuer immer mal wieder bei Kindle Unlimited anmelden. Kommt es dort nicht auf genug gelesene Seiten, nehme ich es raus und biete es wieder bei Tolino an.

Ob das der ideale Weg ist? Ich weiß es nicht. Den muss wohl jeder für sich selbst finden.