Jörg Benne

Autor für Phantastische Romane und Spielbücher

03
Mrz

Abenteuer Self-Publishing: Kalkulation

Obwohl ich schon mehrere Romane in Kleinverlagen veröffentlicht habe, kommt mein nächster im Self-Publishing. In dieser Artikel-Serie will ich euch an meinem »Abenteuer Self-Publishing« teilhaben lassen. Diesmal geht es um schnöde Zahlen.

Teil 1: Warum?
Teil 2: Erwartungen
Teil 3: Kalkulation
Teil 4: Lektorat

Als der Kollege Thomas Elbel (Affiliate Link) vor ein paar Jahren für sein Self-Publishing-Projekt Megapolis (Affiliate Link) in einem Blogbeitrag bei Tarnkappe.info offenlegte, was er dafür investiert hatte und was dabei rausgekommen war, war das für mich ziemlich ernüchternd und einer der Gründe, warum ich (trotz nicht immer zufriedenstellender Verkaufszahlen) weiter auf Kleinverlage setzte.

Nun, mittlerweile hat der Markt sich verändert. Es gibt viel mehr eBook-Käufer, viel mehr Self-Publisher und vor allem auch viel mehr Dienstleister, die diesen Self-Publishern Lektorat oder Cover-Erstellung anbieten – zu deutlich günstigeren Preisen, als in dem verlinkten Beispiel.

Gern würde ich euch meine Kosten hier auf Euro und Cent auseinandersetzen, aber da die Preise individuell verhandelt wurden und zum Teil auch auf Freundschaft beruhen, bin ich zur Verschwiegenheit verpflichtet.

Daher kurz und knackig: Ich investiere vorab ca. 1200 Euro incl. Mwst für Cover, Lektorat/Korrektorat und Marketing. Wie im vorigen Beitrag erwähnt, dafür könnte man auch einen schicken Kurzurlaub buchen. Wie soll das Geld also wieder reinkommen?

Anfangs wird das eBook exklusiv bei Amazon erscheinen. Nicht, weil ich so ein Riesenfan des großen A wäre, aber man hört allenthalben, dass klassische Fantasy dort deutlich besser läuft als bei Tolino und man außerdem Kindle Unlimited (Leih-Flatrat für eBooks von Amazon) zum Start mitnehmen sollte, weil es nicht nur Einnahmen, sondern auch einen Effekt auf den Verkaufsrang und damit auf die Sichtbarkeit des neuen Titels bietet.

Gemäß meiner Erwartungen soll die investierte Summe binnen eines Jahres wieder eingespielt werden und ich habe dafür wie folgt kalkuliert:

  • Einführungspreis 1,99 (Tantiemen ca. 0,70 Euro), 200 Verkäufe → 140 Euro
  • Standardpreis 3,99 (Tantiemen ca. 2,30 Euro), 450 Verkäufe → 1030 Euro
  • Kindle Unlimited → 30 Euro

Mir ist bewusst, dass viele andere Self-Publisher-Bücher für 2,99 angeboten werden. Möglich, dass ich den Preis anpassen muss, andererseits werden meine anderen eBooks auch für 3,99 und 4,99 verkauft, von daher denke ich, dass die Preismarke okay ist. Zumal ich bei 450 Verkäufen in 11 Monaten ja nur von 40 Verkäufen/Monat ausgehe, also gerade mal 1,3 Stück pro Tag.

Und was ist mit einer gedruckten Ausgabe?

Ein Print will ich nicht ausschließen, aber allein das Erstellen des Layouts würde nochmal 250-300 Euro kosten. Wenn ich ein Print über BoD oder ähnliches anbiete, verdiene ich nur 1-2 Euro pro Buch und 150-200 Prints zu verkaufen, um die Layout-Kosten wieder reinzuholen, halte ich angesichts der Zahlen meiner Kleinverlagsbücher, die immerhin einiges an Messepräsenz bekommen, für relativ illusorisch.

Eine Alternative wäre, das Layout selber zu machen. Aber mich mit Formatierungen, Trennzeichnungen und Seitenumbrüchen rumzuärgern, ich weiß nicht. Oder ich beauftrage den Druck selbst, dann mache ich mehr Gewinn pro Buch. Aber dann brauche ich noch eine ISBN und muss für die gedruckte Auflage wieder in Vorleistung gehen – auch nicht wirklich attraktiv. Daher ist das Thema Print zunächst hintenangestellt. Erstmal schauen, wie sich das eBook entwickelt, ehe ich ggf. noch mehr Geld in den Sand setze.

So viel zu den Gedanken vorab. Beim nächsten Mal wird es konkreter, dann geht es ums Lektorat und dazu bitte ich meine Lektorin Anja Koda zum Interview.