Durch die gute Platzierung bei PhantastikCharts.de bin ich auf diese Urban-Fantasy-Reihe aufmerksam geworden. Nachdem mich Haus Ashcroft – Adel verpflichtet eher enttäuscht hat, klang das hier nach einer humorvolleren Reihe, und ich dachte, ich gebe ihr mal eine Chance. Den Klappentextsatz mit den »drei attraktiven Typen« hätte ich vielleicht etwas ernster nehmen sollen.

Drei Magier und eine Margarita
Annette Marie
Urban Fantasy
erschienen 2024
275 Seiten
Worum geht’s? Wir befinden uns in Vancouver, das im Text, wenn ich mich recht erinnere, komischerweise nie ausdrücklich erwähnt wird. Es ist immer nur von der Westküste Kanadas die Rede, und da gibt es, soweit ich weiß, keine andere Großstadt am Meer. Tori, eine Anfang-20-Jährige, ist unsere Ich-Erzählerin. Sie hat gerade ihren Job als Kellnerin verloren hat, nachdem sie einmal mehr ihr feuriges Temperament nicht unter Kontrolle hatte. Dieses erste Kapitel ist witzig und temporeich geschrieben und war der Hauptgrund, warum ich mir das Buch vorgenommen habe.
Auf der Suche nach einem neuen Job findet Tori durch Zufall die Stellenanzeige eines seltsamen Pubs in einer eher düsteren Ecke der Stadt und ist verzweifelt genug, sich dort zu bewerben. Tatsächlich bekommt sie eine Chance und wird angestellt. Doch schon in ihrer ersten Schicht fällt ihr auf, dass die Leute ziemlich seltsam und ihr gegenüber sehr reserviert sind, um es vorsichtig auszudrücken. Viele machen sich über sie lustig oder sind generell unfreundlich. Es stellt sich heraus, dass sie in einer Magiergilde gelandet ist, wo man sie gar nicht hätte anstellen dürfen, weil eigentlich nur Magier für die Gilde arbeiten dürfen. Aber weil sie bei den drei attraktiven Typen Adrian, Kai und Ezra so gut ankommt, setzen sich diese für sie ein, und sie darf erst mal bleiben.
Fast die komplette erste Hälfte des Romans besteht darin, dass Tori den Alltag in der Bar meistert und haufenweise Leute kennenlernt. Interessanterweise wird bei fast jeder weiblichen Figurdie Frisur thematisiert. Vielleicht hat die Autorin einen kleinen Haarfetisch. Ansonsten bleiben viele Charaktere eher blass. Ausgenommen sind natürlich die drei unheimlich gut gebauten, unheimlich netten drei Typen, die Toris Herz Bauch öfter mal zum flattern bringen.
Ja, das geht schon manchmal mehr in Richtung New Adult, echte Romantasy wird es aber zum Glück nicht. Es bleibt bei harmlosem Geschäker, dennoch ist es manchmal zum Augenrollen, wie die hübsche Protagonistin gleich drei attraktive Typen um den Finger wickelt, sich zwischen ihnen nicht entscheiden kann und von ihnen als große Beschützer umsorgt wird, nachdem sie in Schwierigkeiten gerät.
Nun gehöre ich überhaupt nicht zur Zielgruppe New Adult – ich bin eher „Old Adult”. Trotzdem muss ich gestehen: Nachdem ich ungefähr zur Hälfte des Buches noch dachte, „Puh, das ist wohl doch nichts für mich”, hat der Roman mich am Ende doch noch gekriegt. Mit seinen nur knapp 275 Seiten ist er wirklich gut wegzulesen, echtes Easy Reading, mit viel Tempo, und er hatte dann doch genug Spannungspotenzial, um mich bis zum Ende durchhalten zu lassen. Auch der Humor blitzt immer wieder auf und ist durchaus erfrischend.
Fans komplexer Fantasy-Werke sind hier aber eher falsch. Zwar werden verschiedene Magiertypen eingeführt, aber was die Gilden eigentlich genau machen, wie sie sich finanzieren und was das alles soll, bleibt zumindest in diesem ersten Band sehr vage. Die meisten Seiten drehen sich um Magier, die sich in einer Kneipe treffen, Getränke bestellen und dabei ständig auf ihre Laptops schauen. Aber wie gesagt: Der Humor reißt es teilweise raus.
Wer sich mit der Hauptfigur identifizieren kann und auf New Adult Töne steht, sollte auf jeden Fall mal einen Blick riskieren.