Die Diebin von Elderbrynn ist erschienen

Fünfeinhalb Jahre nach Paulson’s Peak hat es mal wieder ein Spielbuch von mir in die Läden geschafft. CoverGrund für die lange Zeit dazwischen ist aber weniger, dass das Schreiben von Elderbrynn so lange gedauert hat – im Gegenteil. Gerade mal anderthalb Jahre dauerte es von den ersten Worten bis zum fertigen Buch. Ich hatte mich zwischenzeitlich eben nur wieder mehr den Romanen zugewandt.

Elderbrynn ist eine Fantasy-Stadt an der Schwelle zur Industrialisierung. Der Übergang gerät aus den Fugen, als magisch aufgeladene Kohle entdeckt wird, die Unmengen Energie freisetzt und immer größere Maschinen ermöglicht. Arbeiter werden entlassen, Löhne sinken, Mieten steigen, es kommt zu Protesten.
Inmitten dieser aufgeladenen Stimmung spielt man die junge Diebin Ivy, die in eine tödliche Intrige verwickelt wird, in der es um nicht weniger als die Kontrolle über die ganze Stadt geht.

Neben den üblichen Entscheidungen, beinhaltet das Spielbuch zwei Gameplay-Mechaniken: Zum einen gibt es eine Auflevel-Mechanik. Zu Beginn und nach den ersten fünf der insgesamt sieben Kapitel bekommt man Punkte, die man auf die fünf Fähigkeiten der Diebin (Geschick, Verstecken, Schleichen, Agilität, Kampf) verteilen kann. Die Werte starten bei 1 und können maximal bis 5 hochgestuft werden. Will man im Spiel dann z.B. an einer Wache vorbeischleichen, sich vor ihr Verstecken oder gegen sie Kämpfen, rollt man einen W6. Ist das Ergebnis kleiner oder gleich dem Wert der entsprechenden Fähigkeit, hat man die Probe bestanden.
Das bedeutet gleichzeitig, dass die Verteilung der Punkte auch Entscheidungen im Spielbuch beeinflusst. Hat man die Diebin zu einer Profi-Schleicherin hochgelevelt, aber den Kampfwert bei 1 belassen, sollte man Kämpfe tunlichst vermeiden – und umgekehrt.

Die zweite Mechanik kommt bei Einbrüchen zum Tragen. Hier gibt es, ähnlich wie bei Verax, einen Zähler. Dieser repräsentiert die Zeit, die man hat, ehe die Bewohner des Hauses oder Wachen wieder auftauchen. Bei jeder Aktion (Schrank durchsuchen, unter dem Bett nachsehen) würfelt man und zieht das Ergebnis vom Zähler ab, ist er bei 0, hat man ein Problem (wird aber nicht gleich geschnappt). Da man nicht weiß, was man würfelt, kann der Zähler schnell oder langsam runtergehen. Gleichzeitig bedeutet mehr Beute aber auch mehr Punkte für die Fähigkeitswerte (siehe oben). Man muss also genau abwägen, ob man noch ein weiteres Zimmer auf der Suche nach Beute durchstöbert und dabei riskiert, entdeckt zu werden, oder ob man lieber auf Nummer Sicher geht und mit weniger Beute früher flieht.

Inhaltlich steht das Buch unter dem Eindruck der Frühphase der zweiten Amtszeit von Donald Trump. Als ich das Buch begann, senste Elon Musk mit seiner DOGE gerade durch die US Administration und es wurde ziemlich schnell klar, dass hier eine Oligarchie vorbereitet und die amerikanische Demokratie vor eine schwere Probe gestellt wird. In Elderbrynn greifen machthungrige Fabrikanten nach der Macht und wollen das bestehende System stürzen. Dazu die magische Kohle, die es erlaubt überall Arbeitskräfte zu ersetzen, was zu Arbeitslosigkeit, sinkenen Löhnen und Verelendung führt – da haben die gesellschaftlichen Umbrüche, die uns wegen KI prognostiziert werden, in meinen Gedanken sicher eine Rolle gespielt.

Ich hoffe das Ergebnis macht vielen Leuten Spaß und ich bin sehr gespannt auf das Feedback. Die Illustrationen stammen übrigens (wie damals bei VERAX) von Hauke Kock.