Jörg Benne

Autor für Phantastische Romane, Thriller und Spielbücher

13
Sep

Der Funke

Es ist manchmal schon komisch, wenn man wie ich meist planlos drauflos schreibt. In meinem aktuellen Projekt hatte ich zwar eine deutliche genauere Vorstellung, wo ich mit der Handlung hinwollte, es sollte eine Art „Stirb langsam“ in Fantasy werden. Dennoch fuhr ich das Projekt schon zweimal vor die Wand und war zuletzt skeptisch, ob ich es je fertigstellen würde.

Zunächst war nur eine Hauptfigur geplant, ein Assassine der mit seinem aktuellen Auftrag ein Problem bekommt, als er in eine „Stirb langsam“-artige Geiselnahme gerät. Nach knapp vier Wochen und 20.000 Wörtern lief ich in eine Sackgasse, hatte aber immerhin spontan eine Eingebung, wie ich Abhilfe schaffen konnte. Aus dem Assassinen wurde ein Dieb und eine weibliche Assassine kam neu ins Spiel. Doch nur 4.000 Wörter später stand ich wieder vor einem Rätsel, das ganze ging zu schnell auf den Höhepunkt zu, die Figuren waren mir zu schwach und die ganze Sache mit der Geiselnahme wollte nicht so recht funktionieren. Fünf Wochen lag das Projekt auf Eis.

Solange brauchte ich, um mich von der Idee einer „Stirb langsam“-Umsetzung zu verabschieden. Die Geiselnahme flog raus, Randfiguren wurden aufgewertet, der Fokus sollte weniger auf der Action liegen. Also alles überarbeiten – doch schon währenddessen wuchsen die Zweifel erneut. Die Figuren hatten immer noch wenig Tiefe und wie ich die Geschichte auf eine Länge von mindestens 250 Seiten ausdehnen sollte, war mir auch schleierhaft. Nach nur zwei Wochen gab ich wieder auf, diesmal komplett ratlos und kurz davor das Projekt komplett aufzugeben.

Es war meine Testleserin Anja, der ich für den Herbst was Neues versprochen hatte, die mich mit der Frage, wann denn was käme, unter Zugzwang setzte. Also grübelte ich, beschloss eine andere Romanidee mit in diese Geschichte einzubringen und eine dritte Hauptperson hinzuzufügen. Die letzten drei Wochen brachte ich damit zu, diesen neuen Charakter mit Leben zu füllen und seine ersten Kapitel zu schreiben, doch der Zweifel blieb stetiger Begleiter des Projektes, fügte ich doch nur vorne etwas an das Bestehende an.

Gestern, mittlerweile hat das Werk über 40.000 Wörter (~150 Seiten), war es endlich soweit. Ich schrieb eine Szene, die für den Werdegang des Neulings charakterdefinierend sein soll und endlich sprang der Funke über, endlich eine Szene die mich richtig begeisterte und mein Feuer für das Projekt neu entfachte. Endlich ist die Zuversicht, die Überzeugung wieder da.

Ich frage mich: Wäre das mit vorherigem Plotten nicht passiert? Oder hätte ich dann vielleicht sogar schon während des Entwurfs die Flinte ins Korn geworfen?

Egal: Frisch ans Werk, auf dass es dieses Jahr noch fertig wird.