Jörg Benne

Autor für Phantastische Romane, Thriller und Spielbücher

13
Dez

Das 5. Mal

Kürzlich fragte mich ein Bekannter, wie oft ich meine Bücher eigentlich selber lesen würde. Auf die Antwort „Sechsmal mindestens“ folgte erstmal erstauntes Schweigen und dann ein schüchternes „Ist das nicht furchtbar langweilig?“

Also die letzten Durchgänge vor und nach dem Satz und den letzten Korrekturen sind in der Tat etwas anstrengend. Da ändert sich ja nicht mehr viel, dennoch lese ich alles nochmal genau durch, damit mir bloß kein Satzfehler oder gar ein Rechtschreibfehler durchgeht. Natürlich finde ich trotzdem nicht alle, aber ich will es wenigstens versucht haben. Den eigenen Text da binnen weniger Wochen dreimal zu lesen ist dann wirklich Arbeit und kein Spaß mehr – zumal inhaltlich dann eigentlich alles schon 99% fix ist.

Deshalb lasse ich mir vorher immer viel Zeit zwischen den Durchgängen (sofern mir nicht gerade ein Lektor im Nacken sitzt). Die B-Dämonen liegen z.B. nun seit fast einem Jahr rum, obwohl die Anmerkungen und Vorschläge von vier Betalesern eingearbeitet werden wollen. Aber ich brauche einfach diesen Abstand, um dem Text wieder unvoreingenommen zu begegnen – und vor allem nicht alles noch auswendig zu kennen.

Würde ich sofort nach Abschluss des Schreibens mit der Überarbeitung beginnen, würde ich nur denselben Weg wieder beschreiten. Nach einem halben Jahr habe ich aber wieder einen neuen Blickwinkel, wieder dazugelernt, sehe Formulierungen kritischer.

Aktuell sehe ich das bei den Paladinen 2, bei denen ich gerade die Änderungen aus dem Lektorat einarbeite. Der fünfte Durchgang ist das nun schon, trotzdem kommt keine Seite ohne Änderungen davon, ich bin da meist kritischer als der Lektor. Hier ist mir was zu umständlich, dort nicht genau genug formuliert, hier eine Wortwiederholung und da etwas zu flapsig. Auch inhaltlich hinterfrage ich das eine oder andere nochmal, wenn auch eher im Detail als im Ganzen.

In dieser Phase macht das Überarbeiten sogar Spaß, es ist noch ein kreativer Prozess – und keine lästige Fehlersuche wie bei der Satzfreigabe – aber trotzdem macht das reine Schreiben natürlich am meisten Freude.