Rezension: Alien – Der verlorene Planet


Ich bin ein großer Fan der ersten beiden Alien Filme (danach, na ja) und Christopher Golden ist mir außerdem als Autor atmosphärischer Gruselromane bekannt. Da war ich durchaus gespannt darauf, was er aus der Alien-Lizenz machen würde. (Achtung: Spoiler zu den Filmen Alien und Aliens – Die Rückkehr!)

Cover - Alien - Der verlorene Planet
Alien
Der verlorene Planet

Christopher Golden
SciFi-Horror
erschienen 2016
350 Seiten

Wer den Roman Alien – Der verlorene Planet in die Hand nimmt, könnte zunächst glauben, es ginge um »Aliens – Die Rückkehr«, denn im Klappentext ist von Ripley und ihrer Rückkehr nach LV426 die Rede. In den ersten Kapiteln erleben wir auch u.a. mit, wie sie wieder in Erdnähe ankommt und ihr niemand die Story von dem Alien abkauft. Zum Teil werden da Szenen des zweiten Films sogar fast 1:1 nacherzählt.

Dann aber wird klar: Wir lesen hier die Vorgeschichte von Aliens und zwar aus Sicht der Kolonisten und der Colonial Marines auf LV 426, u.a. auch aus der von Newt, dem Mädchen, das als einzige Überlebende auf der Station gefunden wird, als Ripley mit den Marines schließlich dort ankommt. Genau da endet der Roman dann.

Golden lässt sich zu Beginn viel Zeit um jede Menge Figuren einzuführen, bis dann endlich das Wrack mit den Alien-Eiern gefunden wird, auf das die Nostromo in Alien 1 getroffen ist. Von hier an nimmt die Geschichte Fahrt auf, verläuft aber wie jeder Alien-Film. Der erste Facehugger, das erste Opfer, der erste »Alien aus Brust«-Moment, rasend schnell wachsendes Alien, mehr Opfer, mehr Aliens, Wissenschaftler mit eigener Agenda, Kampf, Tod und am Ende die Frage: Wer (außer Newt) überlebt?

Das ist routiniert erzählt, hier und da fehlt es mir aber in den entscheidenden Momenten an atmosphärischer Dichte, da hätte ich mir von Golden mehr erwartet. So wird z.B. der Angriff des ersten Facehuggers in wenigen Sätzen abgehandelt und dann die Perspektive gewechselt.

Mit diesen Perspektivwechseln übertreibt es der Autor ohnehin meiner Meinung nach. Oft wird auch innerhalb eines Absatzes gewechselt. Da wäre es besser gewesen, sich auf wenige Charaktere zu fokussieren und deren Gefühlsleben dafür umso intensiver zu beschreiben. Dazu wiederholt sich einfach zu viel. Leute schleichen durch einen Korridor, Alien greift an, Geballer, Säure, Tote und Verletzte, Flucht, das hat man gefühlt ein Dutzend Mal auf den 350 Seiten.

Wirklich neue Erkenntnisse für Fans des zweiten Films gibt es auch kaum – im Gegenteil sogar ein paar kleine Logikmacken. Z.B. finden die Marines im Film dort ja einen lebenden Facehugger vor, laut diesem Buch gibt es aber zum Bedauern der Wissenschaftler keinen usw.
Trotzdem bietet der Roman solide Alien-Spannung für Fans und kann als anspruchslose Lektüre zwischen Teil 1 und Teil 2 der Filmreihe empfohlen werden – ein MustRead ist es aber sicher nicht.