Rezension: Five Minds (Guy Morpuss)

In der Zukunft stirbt niemand mehr an Krankheiten, die Folge ist eine krasse Überbevölkerung. Um dieser entgegenzuwirken, muss sich jeder Mensch im Alter von 17 für ein Lebensmodell entscheiden. Entweder ein normales Leben als Arbeiter ohne Einschränkungen, ein Leben als Hedonist, der alles gestellt bekommt, aber mit 42 Jahren sterben muss, die eigene Persönlichkeit in einen Androiden-Körper übertragen und 80 Jahre leben oder als sogenannter Schizo einen menschlichen Körper mit mehreren Persönlichkeiten teilen, wobei jede/r einen festen Tagesslot von 4 Stunden hat. Dafür wechseln sie den Körper viermal und dürfen insgesamt 142 Jahre leben.


Five Minds

Guy Morpusss
SciFi-Thriller
erschienen 2023
380 Seiten

Auf dieser interessanten Prämisse basiert der SciFi-Thriller von Guy Morpuss und denkt diese recht konsequent weiter. Wenn die Hedonisten alles gestellt bekommen, ist die einzige Ressource, die für sie von Wert ist, Zeit. Gegen Ende ihrer Lebensspanne können sie in sogenannten Todesparks gegen andere Menschen kämpfen und so ihr Leben verlängern, denn der Gewinner bekommt die verbliebene Lebenszeit des Verlierers, während dieser sofort stirbt. Diese Spiele können sportliche Wettkämpfe, Kampfsimulationen oder auch Escape-Room-artig sein.

Kate/Michael/Ben/Sierra und Alex befinden sich als Schizo in so einem Todespark. Ihr aktueller Körper hat nur noch 10 Tage zu leben und sie wollen mit der Restzeit ein wenig spielen, während sie sich einigen, wie der neue Körper aussehen soll. Doch schon lange gibt es Konflikte innerhalb der Gruppe, vor allem weil sich Sierra nicht an die Regeln hält, denen zufolge man den Körper in guter Verfassung und an einem sicheren Ort an die nächste Persönlichkeit zu übergeben hat. Immer wieder wacht Alex, der nach ihr dran ist, an einem unsicheren Ort oder sturzbetrunken auf. Als dann auch noch eine Androidin auftaucht und Kate in ein tödliches Spiel verwickelt, eskaliert die Situation.

Five Minds ist ein intelligent konstruierter und vor allem sehr ungewöhnlicher SciFi-Thriller. Wir erleben die Geschichte immer aus der Ich-Perspektive der Persönlichkeit, die gerade wach ist, und es wird relativ schnell klar, dass eine/r der fünf ein unzuverlässiger Erzähler ist und nicht nur die anderen Persönlichkeiten, sondern auch uns Lesende belügt. Dazu wird erst nach und nach in Rückblenden enthüllt, welche Probleme die Gruppe schon hatte.

Die Spiele, die um Lebenszeit gespielt werden, fand ich mal mehr, mal weniger einfallsreich, aber insgesamt spannend zu verfolgen. Dass gerade die letzten eher lahm geraten sind, stört den Spannungsbogen etwas. Insgesamt hatte ich Spaß mitzuknobeln, wer von den fünf falsch spielt, auch wenn ich recht früh eine Ahnung hatte, sodass das Ende nicht wirklich überraschend kam.

Dennoch: Wer die Prämisse interessant findet, wird hier gut unterhalten und bekommt eine durchdachte und spannende Lektüre geboten, kein Tophit, aber allemal lesenswert.