Rezension: Haus Ashford – Magie verpflichtet (Benedickt Jacka)

Mit seiner Reihe um den Londoner Magier Alex Verus ist Benedict Jacka eine Bestseller-Serie gelungen, die es auf 12 Bände gebracht hat. Als ich das erste Mal darauf aufmerksam wurde, las ich gerade die Flüsse von London und dann waren es mir schon zu viele Bände, um noch einzusteigen, denn, ich bin nicht so der Reihen-Fan. Trilogie, ja, aber 12 Bände? Ok, sie sollen halbwegs in sich abgeschlossen sein, aber irgendwie schreckte mich das ab. Meine Frau hat sie aber alle gelesen.

Als ich nun in der Bib über Haus Ashford stolperte, nahm ich es in erster Linie für meine Frau mit, war dann aber doch neugierig und habe selber mal reingelesen. Immerhin sind es noch nicht so viele Bände.


Haus Ashford – Magie verpflichtet
Benedict Jacka
Urban Fantasy
erschienen im März 2025
432 Seiten

Auch diesmal geht es wieder um einen jungen Magier in London, da hören die Gemeinsamkeiten dann aber auch schon auf (soweit ich das vom Hörensagen über Alex Verus beurteilen kann). Stephen Oakwood ist Anfang 20, seine Mutter hat die Familie verlassen als er ein Kind war, sein Vater ist verschwunden. Also schlägt er sich mit Zeitarbeit durch und ist ständig pleite. Nebenbei praktiziert er mehr schlecht als recht Drucraft, eine Form der Magie, die über Sigl funktioniert und aus Quellen gespeist wird. Für mehr als eine bessere magische Taschenlampe haben Stephens Fähigkeiten aber bislang nicht gereicht.

Sein Leben nimmt eine unerwartete Wendung, als eines Tages eine junge Frau vor seiner Tür steht, die aus adeligem Hause stammt und sich als seine Cousine vorstellt. Doch das Treffen läuft anders als erwartet und plötzlich wird Stephen in die Intrigen der Familie verstrickt, mit der er eigentlich gar nichts zu tun haben will, und muss so schnell wie möglich seine Fähigkeiten verbessern, um sich in dem Haifischbecken zu behaupten.

Meine Meinung:
Dieser erste Band fühlt sich an ein wie ein ziemlich langer Prolog, der uns die Protagonisten und vor allem das Magiesystem vorstellt. Was sind Sigl, was ist Essentia, wie channelt man, wie unterscheiden sich die Quellen, welche Arten gibt es uswusf. Diese im Detail erklärten Magiesysteme sind ja gerade hip, aber ich war noch nie ein Fan davon, wenn mir haarklein erklärt wird, wie ein Zauberer etwas tut. Meiner Meinung nach liegt die Magie der Zauberei ja nicht zuletzt in der Verblüffung. Aber gut, da sind die Fans von Jacka sicher anderer Ansicht.

Trotzdem kommt mir Band 1 von Haus Ashford arg wie »auf Strecke geschrieben« vor. Hier will jemand wieder 8,10,12 Bände füllen, also wird alles ausführlich erklärt und beschrieben, zig Figuren treten auf und wieder ab (um vielleicht ein paar Bände später nochmal ne Rolle zu spielen) und nach den knapp über 400 Seiten ist eigentlich nicht viel passiert, außer das Stephen ziemlich viel dazugelernt hat und vom wehrlosen Opfer immerhin zum gleichwertigen Gegner aufgesiegen ist.

Ich denke hier hat Jacka bewusst einige Elemente der Progression Fantasy aufgegriffen. Auch wenn er keine Level oder ähnliches nennt, ist es doch irgendwie motivierend mitzuerleben, wie Stephen nach und nach dazulernt. Dazu liest sich der Text locker und anspruchslos weg. Gestolpert bin ich nur über einige Unsauberkeiten in der Übersetzung (»Pain in the Ass« wird z.B. als »Schmerz im Arsch« übersetzt).

Begeistert bin ich trotzdem nicht. Zum einen werde ich mit Stephen nicht warm, vor allem scheint mir Stephens Rolle in den Intrigen arg gewollt und das Geschacher um Macht und Einfluss ist mir zu viel Wirtschaft und zu wenig Fantasy. Dazu ist das Buch leider auch recht humorarm.

Daher bin ich eher skeptisch, was die Fortsetzung angeht. Da werde ich eher mal Flüsse von London oder Harry Dresden weiterlesen, bei denen ich auch jeweils irgendwann den Faden verloren haben. Wie gesagt: Ich steh nicht so auf endlose Reihen.